Teil 2: Hier entlang!

Die Palantir Technologies Aktienanalyse kannst Du Dir auch auf YouTube anschauen und am Ende des Beitrags das zugehörige Factsheet downloaden 😊

Vorwort

Die Analyse möchte ich mit den Worten beginnen:

„Palantir ist genau das, was man nicht gegen sich eingesetzt haben möchte“.


Management

Palantirs Managementteam besteht unter anderem aus Peter Thiel, Alex Karp sowie Stephen Cohan. Alle Drei waren und sind wichtige Pfeiler, ein kontroverses Unternehmen wie Palantir aufzubauen, dass Regierungskunden betreut, bei denen andere Technologieunternehmen zögern würden. Das Management ist also bereit Dinge zu tun, die andere nicht tun – und genau das ist der Schlüssel zum Erfolg. 

Im Grunde baut alles auf Peter Thiel auf, der in seiner Studienzeit Alex Karp und Stephen Cohan kennenlernte und später zur Entwicklung von Palantir zusammenführte.

Palantir Management

Peter Thiel

Peter Thiel wurde in Frankfurt am Main geboren. Als er ein Jahr war, wanderten seine Eltern nach Amerika aus. Nach seiner Laufbahn als Jurist arbeitete er kurze Zeit als Bundesrichter und anschließend als Anwalt. Nach weniger als einem Jahr wechselte er als Wertpapierhändler zum Credit Suisse, ehe er nach Kalifornien zurückkehrte und dort einen eigenen Anlagefonds „Thiel Capital Management“ gründete. 

1998 investierte er 280.000 USD in das Start-Up Paypal und wurde daraufhin CEO. 2002 brachte Thiel Paypal an die Börse, die von Ebay für 1,5 Mrd. US-Dollar übernommen wurden und Thiel 55 Mio. USD. einbrachten. Im Juni 2004 stieg Thiel als Investor bei Facebook mit einem Darlehen von 500.000 USD ein – die Beteiligung am Unternehmen verkaufte er 2012 für über eine Milliarde Euro. Neben diesen Investitionen beteiligte er sich auch an AirBnB, Stripe und Spotify. 

Zusätzlich unterstütze er Donald Trumps Wahlkampf mit Spenden von 1 Millionen Dollar. Auch gibt Thiel hohe Mengen an Geld für die Entwicklung schwimmender Staaten aus, „um die Menschheit von der Politik zu befreien“. Nebst eigener Kryptowährung ist die Idee dahinter, dass sich die Menschen frei entfalten und zu einer besseren Gesellschaft werden können.

Mit seinen weltlichen Ansichten ist Peter Thiel genau der Richtige, für ein solch kontroverses Unternehmen wie Palantir!


Alex Karp

Alexander Karp machte seinen Bachelor am Haverford College und erhielt einen Abschluss in Rechtswissenschaften von der Standfort University. In der Standfort University lernte er Thiel kennen – die sich sogar ein Zimmer teilten, und schreib seine Dissertation über „Aggressionen in der Lebenswelt“. Nach seiner Promotion erhielt Karp eine Erbschaft von seinem Großvater, die er erfolgreich investierte, um das Capitalmanagement Unternehmen „Caedmon Group“ zu gründen, die mit wohlhabenden europäischen Familien zusammenarbeitet. 

Im Gegensatz zu anderen CEOs ist Karp weder Ingenieur noch MBA. Auch besitzt er keinerlei technische Erfahrung und hatte zuvor noch nie in einem Technologieunternehmen gearbeitet. Doch Karp schien neben seines glücklichen Händchens zur Geldanlage und seiner rohen Intelligenz die Fähigkeit zu besitzen, zwischen „Software-Nerds“ und Auftraggebern zu kommunizieren“.

Trotz der unterschiedlichen politischen Ansichten von Thiel (Liberal) und Karp (Sozial) hatten beide was gemeinsam – die Abneigung gegen Silicon Valley. 

Unter Karp hatte Palantir trotz Protesten von Mitarbeitern weitere Technologie-Tools für das US-Verteidigungsministerium und die Einwanderungs- und Zollbehörde entwickelt. 

Karp ist also jemand, der seine Entscheidungen energisch verteidigen kann und einen wichtiger Schlüsselbaustein für die Akquise von Palantir darstellt. Karp reiste 2019 an über 250 Tagen um die Expansion voranzutreiben (Mehr dazu im Abschnitt Geschäftsmodell)


Stephen Cohan

Die dritte Person im Management ist Stephen Cohan, der als Mitbegründer und Präsident von Palantir fungiert. Er ist der Informatiker im Bunde. Mit seinem Abschluss als Bachelor of Science an der Standort University sowie der Bindung zu Thiel ist er der perfekte Kandidat. Er fungierte als Chefredakteur von Thiels studentischer „The Standfort Review“ – Zeitung. Später arbeitete er an den ersten Prototypen von Palantir. 

Cohan ist für die Umsetzung innerhalb Palantirs zuständig. Von der CIA soll er den Spitznamen „Mr. Two Weeks“ erhalten haben und hält generell den Ruf als „Macher“. 


Anteile am Unternehmen

Besonders Interessant ist der Blick auf die Anteile am Unternehmen. Neben der Klasse A- und B-Aktien halten die drei Gründer alleine noch Aktien der Klasse F. Die Konstruktion dient dazu, die Kontrolle über Palantir zu behalten und weitestgehend als Gründerteam Entscheidungen zu treffen. 

Es ist nicht neu, dass unterschiedliche Aktienklassen verschiedene Stimmrechte haben. Doch Palantir treibt das Konstrukt mit seiner F-Klasse nochmal voran, wie an der nachstehenden Tabelle zu sehen:

AktieStimmrecht
Klasse A1 Stimme
Klasse B10 Stimmen
Klasse F 49,9999% der Gesamtstimmrechte

Die Aktien der Klasse B werden zu großen Teilen auch von den drei Gründer gehalten. Mit direkten 29,2% sowie zusätzlichen 12,7% des Flunder Funds hält Peter Thiel am meisten, gefolgt von Alexander Karp mit 9,3% und Stephen Cohan mit 3,2%. 

Es besteht also kein Zweifel daran, wer in Zukunft die Kontrolle über Palantir haben wird.


Funding History

Palantir wird zu seinem IPO kein neues Kapital einnehmen sondern die bestehenden Aktien per Direktlisting an der New-Yorker Börse zum handeln bereitstellen. Die Begründung dafür ist recht Simpel – alleine in den Vergangenen Jahren konnte Palantir insgesamt 2,6 Milliarden USD einsammeln – davon zuletzt 500 Millionen im Halbjahr 2020 vom japanischen Versicherer Jompo – die Palantir damit auf über 20 Milliarden US bewerteten. 

Anteilseigner mit Beteiligungen von über 5% sind Peter Thiels Investment Trust mit rund 12%, Joe Landsdales 8VC mit 5% sowie den kürzlich hinzugestoßenen Japanern Jompo mit rund 20%. Mit disruptiven Technologien verbundene Unternehmen halten 9,5% und UBS 5,7%. 


Aktienhandel vor der Öffentlichkeit

Palantir wurde zum Handel der Stammaktien der Klasse A an der NYSE zugelassen. Vor der erstmaligen Notierung bestand kein öffentlicher Zugang für Investoren, jedoch wurden die Aktien schon intern über einen langen Zeitraum gehandelt. Während die Aktien 2019 in einem Korridor zwischen 4,50$ und 6,50$ gehandelt wurden, lag der höchste Kurs bis zum dritten Quartal 2020 bei 11,50$. 

Schauen wir dazu auf die monatliche Preisentwicklung:

Unter der Annahme, einer erfolgreichen Direktnotierung zum letzten privaten Preis von 11,50$, würde das Unternehmen mit ca. 26,3 Milliarden US-Dollar bewertet werden. Berücksichtigt man jedoch den Zeitraum, wann der Kurs diesen Höchstwert erreicht hatte, stellt man fest, dass dieser im August bzw. September einmalig zu diesem signifikant höheren Kurs gehandelt wurde. Da lediglich der Höchstkurs 11,50$ beträgt und selbst im August der durchschnittliche Kurs je Aktie bei 7,31$ liegt, sollte der Preis von 11,50$ zur internen Bewertung nicht ausschlaggebend für die Öffentlichkeit sein. 


Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell von Palantir ist im Grunde sehr einfach. Kunden zahlen für die Nutzung der Software (Gotham und Foundry) sowie den Beratungsleistungen.  Die Verträge sind dabei in der Regel über mehrere Jahre und sorgen für hohe Margen. Die Beratungsleistungen sorgen zum einen für die Kundenbindung und dafür, dass die Daten korrekt extrahiert werden können und einen Mehrwert bieten. 

Interessant ist auch der Fakt, dass Palantir erste Pilotprojekte durchführt – in der Regel auf eigene Kosten und ohne Gewähr auf zukünftige Rendite, um auf eine Reihe einzigartiger Möglichkeit zuzugreifen, die andere aufgrund mangelnder Ressourcen verpassen. 

Das Geschäftsmodell gibt Palantir selber in drei Ebenen an:
1) Akquirieren
2) Erweitern
3) Skalieren

Es kann folglich Möglich sein, dass einige Kunden eine schnelle Akquisitionsphase, gefolgt von einer langen Erweiterungsphase haben und andere wiederum die Erweiterungsphase überspringen und direkt in die Skalierungsphase wechseln. Hierbei verfolgt Palantir die Verwaltung der Kunden nicht nach Branche zu Branche sondern von Ebene zu Ebene, um bestmögliche Wachstumschancen zu ermöglichen. 

Durchschnittliche Kunden geben 5,6 Mio. USD aus. Um zu verstehen, wie es Palantir schafft Kunden mit Volumen von unter 100.000 USD zum 56-fachen zu bewegen, ist viel Zeit und Aufwand sowie eine Menge an Investitionen notwendig. Eine große Rolle spielt hierbei auch die Arbeit des CEO Alex Karp, der alleine 2019 an über 250 Tagen geschäftstätig gereist ist. 


Akquirieren

In der ersten Phase führt Palantir aktive Gespräche mit bestehenden und potentiellen Kunden, um herauszufinden, wie die Software langfristig einen Mehrwert bieten kann. Hier erhält Palantir in der Regel neue Chancen mit minimalem Risiko für die Kunden, da es sich um Pilotprojekte handelt. Diese finanziert Palantir selbstständig und fährt dahingehend vorerst Verluste ein, ohne die Gewissheit auf Rendite zu erhalten. Das Motto lautet: Den Kunden den Mehrwert zu beweisen. 

Diese Phase ist auch aus finanzieller Sicht interessant. Palantir definiert Kunden dieser Phase als welche, die Palantir weniger als 100.000 USD eingebracht haben. Der Erfolg der Akquisitionsphase wird anhand der Einnahmen bewertet, die in den nachfolgenden Jahren erzielt wird. 

Im Jahr 2019 erzielte Palantir einen Umsatz von 0,6 Mio. USD, was zu einem Verlust von 65,4 Mio. USD führte. Im ersten Halbjahr 2020 erzielten dieselben Kunden einen Umsatz von 18,8 Mio. USD, was zu einem Verlust von 13,9 Mio. USD führte. Die besten 25% der Kunden nach Umsatz zum 31. Dezember 2019 erwirtschaften einen Umsatz von 65% des Gesamtumsatzes des ersten Halbjahres 2020, der von allen Kunden in der Phase zum 31. Dezember 2019 erzielt wurde. 


Erweitern

Die Investitionen in dieser Phase sind sehr wichtig, da Palantir hier versucht, die wichtigsten Herausforderungen der Kunden zu verstehen und sicherzustellen, dass die Software einen Mehrwert und Ergebnisse liefert. Kunden dieser Phase werden mit Umsatzvolumen von über 100.000 USD definiert, die zudem einen negativen Deckungsbeitrag hatten. 

Im Jahr 2019 erzielte Palantir mit den Kunden dieser Phase einen Umsatz von 176,3 Mio. USD, die für einen Deckungsbeitrag von -43% verantwortlich waren. Zum Halbjahr 2020 erzielten dieselben Kunden ein Umsatz von 160,5 Mio. USD und einen Deckungsbeitrag von 35%. 


Skalieren

Mit zunehmendem Entwicklungsgrad der Kundenlösungen sinken die Investitionskosten im Verhältnis zum Umsatz – während zeitgleich den Wert für die Kunden erhöht wird. In dieser Phase werden Kunden nach der Installation der Software deutlich selbstständiger hinsichtlich der Weiterentwicklung – trotzdem profitiert Palantir weiterhin von der Betriebs- und Wartungsdienstleistungen. 

Kunden dieser Phase sorgten 2019 für einen Umsatz von 565,7 Mio. USD mit einem Deckungsbeitrag von 55%. Zum Halbjahr 2020 erzielten dieselben Kunden einen Umsatz von 296,3 Mio. USD mit einem Deckungsbeitrag von 68%. 

As customer accounts mature, our investment costs relative to revenue generally decrease, while the value our software provides to our customer increases, often significantly, as usage of the platform increases across the customer’s operations. In this third phase, after having installed and configured the software across an entire enterprise, customers become more self-sufficient in their use of our platforms, including developing software and applications that run on top of our platforms, while still continuing to benefit from the support of our operations and maintenance („O&M“) services.

It is in the Scale phase of our partnerships with customers that we generally see contribution margin on particular accounts improve. In 2019, we generated $565.7 million in revenue from customers in the Scale phase, with a contribution margin of 55%. In H1 2020, those same customers generated $296.3 million in revenue, with a contribution margin of 68%


Fazit

Palantir investiert hohe Summen und Zeit in die Kundengewinnung, um einen wirklichen Mehrwert zu bieten. Innerhalb von drei Phasen wird unter Bereitschaft auf Verluste bewirkt, neue Kunden zu akquirieren und eine Software zu bieten, die jenseits einer einfachen standardisieren Software ist und dahingehend eine Kundenbindung auf viele Jahre zu bewirken. Ist eine Kunde in der Endphase angekommen, wird durch Betriebs- und Wartungsdienstleistungen weiterhin Umsatz generiert und letztendlich auch Gewinn erzielt.   

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