Teil 1: Hier entlang!

Die Palantir Technologies Aktienanalyse kannst Du Dir auch auf YouTube anschauen und am Ende des Beitrags das zugehörige Factsheet downloaden 😊


Produkte und Lösungen

Bevor es losgeht:
Nachdem ich die Produkte und Lösungen analysiert habe, bietet Palantir all das, was Beispielsweise in Online-Kriegsspielen zu finden ist – nur eben, dass es sich hierbei um echte Daten, Menschen und Opfer handelt.

Die mit einem rot-vorangestellten Stern gekennzeichneten Textstellen sind keine offiziellen Bestätigungen oder ähnliches. Ich habe aufgrund der Beschreibung sowie der grafischen Übersicht versucht, ein realistisches Anwendungsszenario zu kreieren. 

Wie wir im ersten Teil unter der Rubrik Geschäftsmodell analysiert hatten, strebt es Palantir an, seinen Kunden einen Mehrwert zu schaffen und ist dafür bereit, finanzielle Mittel vorzustrecken, ohne eine Rendite garantieren zu können.

Palantir hat zwei Hauptplattformen: Gotham und Foundry. Damit bietet das Unternehmen die kritische Infrastruktur, die für die Integration der Daten und Abläufe der Kunden erforderlich ist. Die Software ermöglichst es den Benutzer, mit unterschiedlichen Fähigkeiten auf der Plattform zusammenzuarbeiten. Dateningenieure können neue Datenquellen integrieren, Analysten können Daten bereinigen und transformieren, Datenwissenschaftler können Modelle schreiben und Führungskräfte können Entscheidungen treffen. Beide Plattform können hierbei separat oder als ein einziges Ökosystem gebündelt werden. 

Jede Plattform besteht hierbei aus benutzerbezogenen Anwendungen, die auf spezifische Branchen und Sektoren ausgerichtet sind. Palantir gibt an, dass die Plattformen für jede Umgebung bereitgestellt werden können. 

Bekannt wurde Palantir unter anderem durch das Gerücht, dass die Software dabei geholfen hat, den Terroristen Osama Bin Laden ausfindig zu machen und letztlich zu töten.  Im nachfolgenden werden die Plattformen mit fiktiven Daten bildlich dargestellt und deren Funktion anhand des Bildmaterials beschrieben. Das wird dabei helfen zu verstehen, wie weitreichend und beängstigend die Softwarelösungen tatsächlich sein können.


Gotham

„Wir töten Menschen auf der Basis von Metadaten“, sagte der ehemalige NSA- und CIA-Chef Michael Hayden 2014 bei einer Veranstaltung der Johns Hopkins University.

Gotham ist die Plattform, die für Regierungsvertreter im Verteidigungsministerium- und Geheimdienstsektor entwickelt wurde. Palantir beschreibt die Problem wie folgt:

Analysts working on the front lines of counterterrorism operations were hunting for needles not in one haystack but in hundreds and thousands of them

Gotham ermöglicht es den Nutzern also, Muster zu identifizieren, die Tief in den Datensätzen verborgen sind, von Signalinformationen bis hin zu Berichten von vertraulichen Informationen. Es erleichtert die Übergabe zwischen Analysten und operativen Benutzern und hilft dabei, reale Reaktionen auf Bedrohungen zu planen und auszuführen, die innerhalb der Plattform identifiziert wurden. Gotham wird mit heutigem Stand in allen Regierungsfunktionen eingesetzt. 

Mit Gaia können Benutzer Vorgänge über eine gemeinsam genutzte Live-Karte planen, ausführen und Berichte erstellen. Live-Karten verfolgen Echtzeitdaten, sodass jeder auf die gleichen Informationen reagieren kann. Benutzer können Objekte aus anderen Gotham-Anwendungen direkt in Gaia ziehen und ablegen, sodass Planung und Informationsbeschaffung im Einklang mit der Analyse erfolgen.

*Hier lässt sich an militärische Einsätze denken, deren Planung einen genauen Zielort sowie Informationen zur zeitliche Entfernung erfordert. Befindet sich beispielsweise ein Team im Gefecht, kann mittels des Standortes auch der nächstgelegene Hilfstrupp entsandt werden. 

Ava ist ein künstliches Intelligenzsystem, das Milliarden von Datenpunkten scannt, um Ermittlern unter anderem im Verteidigungs- und Geheimdienstsektor bei der Identifizierung von Mustern und Verbindungen zu helfen.
Das schiere Volumen an eingehenden Daten macht es für Institutionen und ihre Experten schwierig, Informationen in Echtzeit zu durchsuchen. Dies kann dazu führen, dass Analysten wichtige Leads verpassen.
Ava unterstützt proaktive Untersuchungen und läuft rund um die Uhr gegen interne und Verbunddatenströme. Es warnt Benutzer vor neuen, schwer zu findenden potenziellen Verbindungen über Milliarden von Datenpunkten hinweg und stellt sicher, dass Analysten Zeit für ihre wichtigsten Untersuchungen aufwenden.

*Ava ist folglich ein KI-System, dass anhand von Daten vorab Verbrechen ermitteln kann. Beispielsweise gibt es Einsätze in Amerika, bzw werden Polizisten zu gewissen Zeiten systemabhängig in Ort geschickt, bei denen statistisch gesehen „gleich“ eine Straftat begangen wird. 

Video ist eine Anwendung, die für die Interaktion mit Streaming- und historischen Videodaten aus verschiedenen Formaten entwickelt wurde. Benutzer können Videomaterial auf der Plattform überprüfen und Rohmaterial mit Geoinformationen und Überlagerungen basierend auf anderen Datenquellen erweitern. Das Ergebnis ist ein verbessertes Situationsbewusstsein und eine Entscheidungsfindung in Echtzeit.

*Video bildet in Echtzeit Orte sowie Truppenbewegungen ab. Das kann in einem Kampf dabei helfen, eigene Truppen auf schweren Situationen herauszuholen oder einen strategischen Vorteil zu verschaffen. 

Graph bietet eine Whiteboard-ähnliche Oberfläche, über die Benutzer Entitäten, ihre Eigenschaften und Netzwerke erkunden, visualisieren und mit ihnen interagieren können. Benutzer können Daten im Diagramm erstellen oder bearbeiten und doppelte Objekte auflösen, um eine robuste Datenqualität sicherzustellen. Das Diagramm kann durch Plug-Ins erweitert werden, einschließlich Unterstützung für die zeitliche Analyse, Histogramme zur Identifizierung von Mustern in Daten und Tools zur Netzwerkanalyse.

*Den Einsatz dieser Lösung kann man sich dahingehend vorstellen, dass Straftäter sowie deren strukturelles Netzwerk, darauf angesetzte Ermittler und weitere Informationen zusammengetragen und visualisiert werden können. 


Foundry

Foundry fokussiert sich nicht wie Gotham auf Regierungsarbeit sondern auf den kommerziellen Sektor, also private Unternehmen. Palantir gibt an, dass die Datenintegration zu den am schwierigsten zu lösenden Problemen gehört. Foundry ist also eine Plattform, die die Integration neuer Datensätze vereinfacht und es Benutzern ermöglicht, auf neue Informationen zu reagieren.

Foundry ist also ein zentrales Betriebssystem für die Daten. 

Blicken wir auf einzelne Lösungen die Foundry bietet:

Mit Monocle können Benutzer die Datenherkunft in Foundry mithilfe einer grafischen Oberfläche verstehen und verwalten. Benutzer können Upstream-Abhängigkeiten oder Downstream-Konsumenten von Daten in Foundry untersuchen sowie die Logik für ein Dataset bis zu seiner Quelle zurückverfolgen. Benutzer können Monocle auch verwenden, um Build-Zeitpläne zu verwalten oder Probleme mit dem Datenzustand und den Berechtigungen zu verfolgen.
Monokeldiagramme sind vollständig interaktiv. Benutzer können einen Drilldown zu jeder Ressource im Diagramm durchführen, um sich mit der jeweiligen Quelle oder dem jeweiligen System zu befassen.

Vertex ist eine Virtualisierungs-Engine für die Lieferkette eines Instituts. Benutzer können Änderungen simulieren und Was-wäre-wenn-Analysen durchführen, um Institutionen bei der Optimierung ihrer Abläufe zu unterstützen. Benutzer können auch problemlos von einer Optimierungsfunktion zur nächsten wechseln, Szenarien ausführen und auswerten, ohne die Unterstützung von Datenwissenschaftlern oder technischen Ressourcen zu benötigen, und ihre eigenen Warnungen und Metriken für wichtige Geschäftsschwellenwerte erstellen.


Marktüberblick


Palantirs Marktfortschritt

Anhand des Marktfortschritts zeigt sich, dass Palantir seit 2013 deutlich stärker im Commercial-Segment expandiert. Welche Branchen seitdem mit den Lösungen bedient wurden, zeigt sich in der nachfolgenden Grafik:

Palantir Marktentwicklung

Total Adressable Market

Wie wir gesehen haben, bietet Palantir mit seiner Software sowie seinem bisherigen Kundenstamm Lösungen für einen weitreichenden Markt, der nicht einfach zu bestimmen ist. Mit über 125 Kunden aus über 150 Ländern und über 36 verschiedenen Branchen, darunter die Industrie, Regierungen, Energie, Transport, Financial und Healthcare ist der Markt scheinbar riesig. 

Mit den hohen Kosten und dem langwierigen Zeitaufwand fokussiert Palantir keine Klein- oder Mittelständigen Unternehmen. 

Palantir gibt es, dass weltweit über 6.000 Firmen mit über 500 Mio. USD Umsatz als potentielle Kunden für Palantir in Frage kommen. Daraus resultiert dann ein Commcercial Markt von 56 Milliarden US-Dollar sowie ein Regierungsmarkt von 63 Milliarden US-Dollar. Insgesamt schätzt Palantir seinen möglichen Gesamtmarkt auf 119 Milliarden US-Dollar. 

 Die Expansions-Möglichkeiten für den Commercial-Bereich sind deutlich größer als die des Regierungsbereichs, so dürfte Palantir in dem Bereich deutlich stärker anwachsen. Die Umsatzverteilung widerspiegelt jedoch, dass Palantir im Regierungsbereich deutlich stärker expandiert hat. Während die Verteilung von Commercial zu Regierung Ende 2019 bei 55% zu 45% liegt, liegt diese zum Halbjahr 2020 bei 46% zu 54%. 

Zudem sind die Marktmöglichkeiten, Regierungssoftware außerhalb der Vereinigten Staaten zu verkaufen deutlich größer als National. 2019 lag die Quote Amerika zu International bei 40% zu 60%. 

Palantir TAM

Palantir vs US Army

Um das Geschäft auszubauen, ist Palantir bereit, enorme Wege zu gehen – unter anderem auch einen Rechtsstreit gegen die US-Army zu führen – und letztendlich auch zu gewinnen. 

2016 verklagte Palantir die Armee vor dem US-Bundesgericht wegen angeblicher rechtswidriger Beschaffungsaufforderung für die nächste Entwicklungsstufe einer Armee-Software, die das kommerzielle Angebot des Unternehmens vom Wettbewerb ausschloss. 

Die Armee wollte das Rad quasi neu erfunden und beachtete dabei nicht das 1994 eingeführte Gesetz „the Federal Acquisition Streamlining Act“. Der Armee wurde vorgeworfen, dagegen verstoßen zu haben, indem sie nicht die Marktforschung durchgeführt habe, die erforderlich sei, um festzustellen, ob ein Produkt auf dem Markt ist, welches mit oder ohne Modifikationen die Anforderungen an die neue Software erfüllen würde. 

Die Armee war nicht in der Lage, eine einfachere und kostengünstigerer Software herzustellen, als Palantirs Gotham ohnehin bot. 

Letztendlich gab es dann zwei Unternehmen, die mit ihrer Software um den Auftrag der Armee an den Start gingen: Palantir und Raytheon. 

Schlussendlich konnte sich Palantir durchsetzen und erhielt einen Auftrag über 10 Jahre der den Wert von 876 Mio. USD beziffert. In der ersten Lieferung beträgt der Auftrag jedoch nur 20 Millionen US-Dollar. Trotz alle dem war es ein historischer Schritt in der Geschichte der erstmalig dazu führte, dass die Armee ein System von einem Start-Up aus Silicon Valley in Auftrag gab. 

Im nachfolgenden eine Grafik die aufzeigt, wie sich der Umsatz durch die Auftragsvergabe bisher entwickeln konnte:


Ethik & Moral

Ein weiterer wichtiger Aspekt der zur Kaufentscheidung beitragen sollte, ist die Individuelle ethische Einstellung über Recht und Unrecht. Ich lasse die Ethik & Moral nicht in mein Fazit einfließen.

Einige nachfolgenden Beispiele beziehen sich nicht direkt auf die Verwendung von Palantir bzw. Gotham. Es dürfte jedoch jederzeit möglich sein, die Software genau dahingehend zu nutzen. Vielleicht wird sie es auch schon – ohne dass die Öffentlichkeit davon etwas weiß.


Big Data

„Ich habe nichts zu verbergen“ – ein Kommentar, denn man häufig liest, wenn es um die Thematik des Datenschutzes geht. Doch das subjektive Empfingen dürfte ein anderes sein, als das einer Software. 

Um sich ein weitreichenderes Bild zu machen, dürfte folgender Artikel helfen: „Es gibt eine Gier nach Daten„. In dem Artikel werden unter anderem die Fähigkeiten besprochen, dass Software (Palantir wird dafür wohl nicht eingesetzt) in der Lage ist, „predictive policing“ zu betreiben. Also präventive Arbeit zu leisten, vorab zu bestimmen, wo Straftaten stattfinden können – genutzt werden dafür Daten von Menschen, die anhand eines Risikoscores definiert werden, zu dem auch die Unterscheidung der Hautfarbe zählt. 

Der Satz „Ich habe nichts zu verbergen“ darf zwar stimmen, doch befindet man sich alleine am falschen Ort, hatte Kontakt mit der falschen Person oder hat eine bestimmte Hautfarbe, dann entscheidet die Software. 


Angriffe auf Basis von Software

„Wir töten Menschen auf Basis von Metadaten“

Hayden, 2014 auf einer Veranstaltung der John-Hopkins-Universität

Der frühere NSA- und CIA-Chef Hayden bezog sich mit seiner Äußerung offenbar auf das US-Drohnenprogramm, mit dem Angriffe auf mutmaßliche Terroristen weltweit zunehmend geflogen werden. Die Opfer werden dabei unter anderem über ihre Mobiltelefone geortet. Dabei nimmt die US-Regierung Berichten zufolge auch den Tod unschuldiger Opfer in Kauf, weil weder geprüft wird, ob es sich tatsächlich um das anvisierte Opfer handelt noch ob sich in seiner unmittelbaren Nähe unbeteiligte Zivilisten befinden. 
Quelle: Ausschnitt eines Zeitungsartikels.

Das Projekt um welches es sich dabei handelt, heißt „Maven“ – ein Pentagon-Programm zum Bau einer KI-gesteuerten Überwachungsplattform für unbemannte Luftfahrzeuge (Drohnen). Während google aus ethischen Gründen die Unterstützung davon ablehnte, ist Palantir bereit, diese Plattform mitzuentwickeln.


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