Erklärung

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist eine der beliebtesten und einfachsten Kennzahlen zur Beurteilung von Aktien. Im englischen spricht man von Price-Earnings-Ration (PER) oder P/E Ratio. Effektiv sagt diese Kennziffer aus, wie oft der Gewinn je Aktie in den Aktienkurs passt – also mit welchem vielfachen des Gewinns die Aktie gehandelt wird.   


Berechnung

Wir haben hier eine unkomplizierte Division: 

KGV = \frac{Aktienkurs}{Gewinn je Aktie}

Dazu ein Beispiel:
Nehmen wir an, die Aktien der Firma X werden aktuell zu 125,00€ an der Börse gehandelt. Im Geschäftsbericht hat das Unternehmen mitgeteilt, einen Jahresüberschuss von 5,00€ je Aktie erwirtschaftet zu haben.

KGV = \frac{125,00€}{5,00€}


KGV = 25

Die Erkenntnis zeigt hier also, wie viele Jahre das Unternehmen mit seinen Gewinnen benötigt, um den Wert seiner Aktien zu erwirtschaften. Oder auch: mit welchem Faktor der Unternehmensgewinn an der Börse gehandelt wird.


Interpretation

Je höher das KGV ist, desto höher ist die Aktie bewertet,… Soweit die Theorie. Mit der Verwendung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses ist es allerdings nicht möglich, die perspektivische Gewinndynamik zu berücksichtigen. Das KGV ist also eine Momentaufnahme, kann durch einmalige, außerordentliche Erträge „manipuliert“ werden und ist durch Verwendung des Aktienkurses (aktueller Wert, Jahresendwert, Durchschnittswert) stark veränderlich.

Da das KGV also auf der perspektivischen Einschätzung der Gewinne beruht, ist es aus meiner Sicht viel wichtiger, das Geschäftsmodell zu verstehen und bewerten zu können. Eine SWOT-Analyse (Stärken & Schwächen, Chancen & Risiken) vorzunehmen und die Zukunftsvision des Unternehmens zu berücksichtigen.
Das KGV ist folglich eine einfache Kennzahl, die einen schnellen Überblick liefert, jedoch keine großartige Aussagekraft aufweist, wenn keine anderen fundamentalen und geschäftsbezogenen Daten und Werte hinzugezogen werden.


Vor- & Nachteile

Vorteile:

  • Einfache Ermittlung
  • Öffentlich unkompliziert zugänglich
  • Vergleichbarkeit innerhalb einer Branche

Nachteile:

  • Leicht manipulierbar (einmalige, außerordentliche Erträge, Kursanwendung)
  • Vergangenheitsorientiert
  • Keine Berücksichtigung der Gewinndynamik, Dividende und zukünftigen Ereignisse
  • Ohne Gewinn ist kein KGV errechenbar
  • Problematische Anwendung bei REITs (FFO ist anstatt dem Gewinn je Aktie anzuwenden)


Persönliche Anwendung

Ich wende das KGV gerne im Peer-Group-Vergleich an. Zusätzlich ermittle ich das historische KGV über die letzten 5 Jahre und stelle dieses dem aktuellen KGV (neueste bekannten Gewinne sowie aktueller Kurs) gegenüber.
Für mein Fazit schätze ich den jährlichen prozentualen Gewinnzuwachs auf Basis der historischen Gewinnentwicklung, wende darauf das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis an und leite daraus ein potentielles Kursziel ab.

Neben dem KGV empfinde ich die Untersuchung der Nettofinanzverschuldung als äußerst wichtig!

Zum Abschluss interessiert mich jetzt, wie Du persönlich das KGV beurteilst 😊 Anbei noch die Empfehlung durch meine Aktienanalysen zu stöbern – eventuell findest Du Dein nächstes Investment!