Erklärung

Die Nettofinanzverschuldung bzw. Nettofinanzverbindlichkeit ist eine Bilanzkennzahl, die die tatsächlichen Schulden eines Unternehmens wiedergibt. 

Für das bessere Verständnis übertragen wir diese Situation auf eine Privatperson:
Person X hat aktuell 5.000€ schulden, die sich in 2.000€ Autokredit, 1.000€ Dispositionskredit und 2000€ Privatkredite aufgliedern. Um nun zu ermitteln, wie stark die Person tatsächlich verschuldet ist (Nettofinanzverschuldung) stellen wir dem kumulierten Betrag von 5.000€ die liquiden Mittel der Person gegenüber. Das sind 2.500€ auf dem Bankkonto und 500€ in Bar, insgesamt also 3.000€. 
Ziehen wir nun die Liquiden Mittel von den Schulden ab, ist die Person effektiv mit 2.000€ nettoverschuldet. Denn die Schulden könnten jederzeit teilweise getilgt werden.


Berechnung

Die NFV berechnet sich aus der Summe der zinstragenden Verbindlichkeiten abzüglich der Liquiden Mittel. Nichtzinstragende Verbindlichkeiten z.B. Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung werden nicht hinzugezogen, weil diese zum laufenden Geschäftsbetrieb gehören und nicht zinstragend sind. 

Um die Nettofinanzverschuldung nun für unsere Unternehmen bestimmen zu können, ist folgende Formel notwendig:
Nettofinanzverschuldung = Zinstragende Verbindlichkeiten – liquide Mittel


Anwendung

Ein gutes Unternehmen zeichnet sich dadurch aus, dass die Nettofinanzverschuldung innerhalb einer angemessenen Zeit zurückgezahlt werden kann. Welcher Zeitraum dahingehend als angemessen anzusehen ist, muss von Branche zu Branche differenziert werden. Um eine bessere Aussagekraft zu erhalten, sollte die Nettofinanzverschuldung dem EBITDA ins Verhältnis gesetzt werden. Folglich erhält man daraus den Verschuldungsgrad. Meine Persönliche Grenze liegt dabei bei 2,5 bzw. 250%. Das bedeutet, dass das Unternehmen dann das 2,5-fache der jährlichen Ertragskraft benötigt, um die tatsächlichen Schulden abzuzahlen.
Die Nettofinanzverschuldung wird zudem benutzt, um den Unternehmenswert bzw. Enterprise Fair Value einer Aktiengesellschaft zu ermitteln. Der Fair Value ist eine Messgröße für den Wert eines Unternehmens – unabhängig von seiner Finanzierung und ergibt sich aus der Marktkapitalisierung + Nettofinanzverschuldung. Durch die Neutralisierung in der Kapitalstruktur eliminiert der Enterprise Value verzerrende Effekte in der Unternehmensbewertung und sorgt für eine bessere Vergleichbarkeit bei der Aktienbewertung.


Persönliche Anwendung

Neben der Betrachtung des KGVs wende ich die Nettofinanzverbindlichkeiten gerne in meinen Analysen an und stelle sie zum EBITDA ins Verhältnis. Resultierend folgt der Verschuldungsgrad der mir Auskunft darüber gibt, wie viele Jahre das Unternehmen benötigt, um die Schulden abzuzahlen. Das mache ich in der Regel für die letzten 5 Jahre und untersuche dahingehend die Entwicklung und suche nach Begründungen für den Schulden Auf- bzw. Abbau. Ohne Begründung für eine überhöhte Verschuldung liegt meine persönliche Grenze bei 250%.

Und das schaut dann so aus:

Zum Abschluss interessiert mich jetzt, wie Du persönlich die Nettofinanzverschuldung anwendest. 😊 Anbei noch die Empfehlung durch meine Aktienanalysen zu stöbern – eventuell findest Du Dein nächstes Investment!